Wolfsberg Group

Die Wolfsberg Group (https://wolfsberg-group.org/) entstand im Jahr 2000 aus einem Treffen internationaler Banken im Château Wolfsberg im Kanton Thurgau. Noch im selben Jahr wurden erste Grundsätze zur Geldwäschereibekämpfung im Private Banking veröffentlicht.

Die Gruppe ist ein Zusammenschluss international tätiger Banken, der Standards und Leitlinien für den Umgang mit Risiken der Finanzkriminalität entwickelt. Derzeit gehören ihr zwölf Banken an:

  • Banco Santander
  • Bank of America
  • Barclays, Citigroup
  • Deutsche Bank
  • Goldman Sachs
  • HSBC
  • JPMorgan Chase
  • MUFG Bank (Mitsubishi UFJ Financial Group)
  • Société Générale
  • Standard Chartered Bank
  • UBS

Im Mittelpunkt der Tätigkeiten (Standard Setting, Frameworks, Guidances, etc.) stehen insbesondere folgende Schwerpunkte:

  • die Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung
  • Know-Your-Customer-Prozesse
  • Korrespondenzbankbeziehungen
  • Sanktionen und Zahlungsverkehr

Zielsetzung und Arbeitsweise der Wolfsberg Group

Ziel der Wolfsberg Group ist es, international anwendbare und praxisorientierte Standards für das Financial Crime Risk Management zu entwickeln. Die Inhalte werden von Fachpersonen der Mitgliedsbanken erarbeitet und im Konsens verabschiedet. Die Gruppe arbeitet zudem mit internationalen Standardsetzern, Aufsichtsbehörden, Strafverfolgungsbehörden und weiteren öffentlichen Stellen zusammen.

Ein zentraler Grundsatz ist der risikobasierte Ansatz (Risk-Based Approach). Danach sollen Finanzinstitute ihre Kontrollmassnahmen und Ressourcen insbesondere dort einsetzen, wo erhöhte Risiken für Geldwäscherei, Terrorismusfinanzierung oder andere Formen der Finanzkriminalität bestehen.

Bekannteste Instrumente der Wolfsberg Group:
Fragebogen (Questionaires)

Zu den bekanntesten Instrumenten der Wolfsberg Group gehören der Correspondent Banking Due Diligence Questionnaire (CBDDQ) und der Financial Crime Compliance Questionnaire (FCCQ).

Der CBDDQ ist ein standardisierter Fragebogen zur Due Diligence bei Korrespondenzbankbeziehungen. Er enthält Fragen unter anderem zu Governance, Customer Due Diligence, Sanktionen, Transaktionsüberwachung und weiteren Elementen des Financial-Crime-Compliance-Systems eines Finanzinstituts. Dadurch soll der Informationsaustausch zwischen Banken vereinheitlicht und die Prüfung von Korrespondenzbanken erleichtert werden.

Der FCCQ ist weniger umfangreich und dient dazu, grundlegende Informationen über das Financial Crime Compliance Programme eines Finanzinstituts bereitzustellen. Beide Fragebögen haben im internationalen Bankgeschäft eine hohe praktische Bedeutung.

Korrespondenzbankgeschäft und Compliance Anforderungen

Ein besonderer Schwerpunkt der Wolfsberg Group liegt auf dem Correspondent Banking. Dabei unterhalten Banken Geschäftsbeziehungen zu anderen Finanzinstituten, um beispielsweise internationale Zahlungen abzuwickeln.

Solche Beziehungen können erhöhte Geldwäscherei- und Sanktionsrisiken mit sich bringen. Die Wolfsberg Group entwickelt deshalb Grundsätze dazu, welche Informationen vor Aufnahme und während der Dauer einer solchen Geschäftsbeziehung erhoben und überprüft werden sollten. Daneben veröffentlicht sie Leitlinien zur Transparenz im internationalen Zahlungsverkehr.


Verhältnis der Wolfsberg Group zu FATF und Aufsichtsbehörden

Die Wolfsberg Group ist keine staatliche Aufsichtsbehörde und kein zwischenstaatlicher Standardsetzer sondern formt eine Art «loser globaler Branchenverein». Sie kann keine Bewilligungen erteilen und keine aufsichtsrechtlichen Sanktionen verhängen.

Darin unterscheidet sie sich insbesondere von der Financial Action Task Force (FATF). Die FATF setzt internationale Standards zur Bekämpfung von Geldwäscherei, Terrorismusfinanzierung und Proliferationsfinanzierung. Die Wolfsberg Group entwickelt dagegen vor allem praktische Umsetzungshilfen aus Sicht der Finanzindustrie.

Ihre Standards ersetzen daher keine gesetzlichen oder aufsichtsrechtlichen Vorgaben.

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